I. TEIL
VORWORT
Vom Ansiedlungsbeginn bis zur jüngsten Epoche unserer Dorfgeschichte
von Andreas M. Patton
Wie der Titel bereits ankündigt, handelt es sich hier um ein Heimatbuch - nicht um eine Ortsmonographie -, welches den Werdegang unseres Dorfes vom Ansiedlungsbeginn bis zur jüngsten Epoche schildert.
Es ist eine Mahnung und zugleich ein historisches Zeugnis als auch ein bescheidenes Denkmal. Ein Denkmal insofern, als es unsere Kolonistenahnen ehrt, die vor mehr als 250 Jahren unseren Heimatboden in zäher Arbeit der ungarischen Öde abgerungen haben. Ferner ist es eine Rechenschaft und Dankesbezeugung gegenüber den Urahnen, die auf dem Gottesacker in WARASCH schlummern, sowie auch für diejenigen Generationen, die ihnen später in die Ewigkeit folgten. Hinzu kommt noch unser Gelübde, unsere Ortsgeschichte für die Nachwelt zu erhalten. Wir, die letzte erlebende Generation, haben ein gewisses Sendungsbewußtsein. Wenn wir es versäumen, unsere Erlebnisse und Erinnerungen aufs Papier zu bringen, wird es niemand mehr nach uns tun können.
Als Studenten der Deutschen Lehrerbildungsanstalt Budapest, 1940-44, wurden Jakob Putschli und ich von volksbewußten Professoren über die Wichtigkeit der Heimatkunde und Familienforschung belehrt. Eifrig beteiligten wir uns an Ausschreibungen und Wettbewerben mit heimatkundlichen Themen und waren stolz, als wir mit einem Anerkennungsdiplom bedacht wurden für eine Gemeinschaftsarbeit über unseren Heimatort Bonyhádvarasd. Anfänglich verfolgten wir nur den obligatorischen Ahnennachweis bis einschließlich der Großeltern, doch sind wir dann später tiefer in die Kirchenmatrikel eingedrungen. Ich selbst war sehr an der Familienforschung und an der Warascher Mundart interessiert und träumte davon, einst die Herkunftsgebiete der Varasder Kolonisten sowie die Urheimat meiner Vorfahren aufzufinden.
Der verlorene Krieg und die darauffolgende Zwangsausweisung schien diesen Träumen für immer ein Ende zu setzen. Unsere Landsleute wurden aus der Geborgenheit der Dorfgemeinschaft plötzlich herausgerissen, ihres Besitztums und der angestammten Heimat beraubt und in eine für sie völlig fremde Welt verjagt. Die vertriebene Hälfte der Warascher hatte sich in der Fremde zu behaupten, und die Daheimgebliebenen mußten das schwere Los der Unterdrückung hinnehmen und erdulden.
Sollte nun alles verloren sein?
Die Enteignung und die Vertreibung von Haus und Hof war der größte Schock in unserem Leben. Der Verlust der Heimat, die Entwurzelung hat alle zutiefst erschüttert. Insbesondere die alten Leute litten unsägliches seelisches Leid und gar viele wurden aus Gram und Bitterkeit frühzeitig zu Grabe getragen. Der Existenzkampf unserer Landsleute war unerbittlich und mit vielen Opfern verbunden.
Doch das Leben mußte weitergehen.
Sehr wohltuend waren die Veröffentlichungen unserer donauschwäbischen Autoren, hie und da ein ermunternder Kalenderartikel, die landsmannschaftlichen Treffen und nicht zuletzt die gegenseitigen Besuche der Landsleute sowie der Gedankenaustausch halfen die Schmerzen zu lindern und die Wunden zu heilen. Nacheinander tauchten auch die sog. Heimatbücher und Ortsmonographien auf.
Allmählich reifte das Bedürfnis, Gleiches zu tun. Eine weitreichende Korrespondenz begann mit Ideen und Anregungen. Anfänglich reagierte man zwar zögernd, doch langsam kristallisierte sich eine Gruppe ernster Interessenten heraus, die schließlich eine Warascher Ortsgemeinschaft formte mit dem Ziel der Herausgabe des Heimatbuches. Schulter an Schulter haben dann Jakob und ich die bereits begonnene Forschungsarbeit auf eine breitere Basis ausgedehnt. Es wurden Archive, Pfarreien, Friedhöfe, Museen, Ämter und Institutionen besucht und dabei fleißig Daten gesammelt.
Bei dieser Arbeit erhielten wir erstaunlich viel Hilfe und Unterstützung. An erster Stelle sei hier den Landsleuten für ihre überaus nützlichen Beiträge gedankt. Besonderer Dank gebührt den Herren Johann Eppel, Budapest, Michael Stöckl, Chicago, Dr. Josef Schwing, Neuhofen, Johann Fritz, Langenau, Klaus Rössler, Mannheim, Josef Stork, Neuwied und vielen anderen für ihre großzügige Hilfe.
Es wurde schließlich soviel Material zusammengetragen, daß aufgrund des gesetzten stofflichen Rahmens, bzw. Ausdehnung des Buches eine Reduktion vorgenommen werden mußte nach Gesichtspunkten der Priorität.
Der Leser hat es hier nicht mit einem Werk zu tun, welches nach finanziellem Gewinn oder nach literarischer Anerkennung strebt. Es wurde uneigennützig mit Liebe und von Herzen verfaßt in dem Bewußtsein, daß nicht alles nach Wunsch oder nach jedem Geschmack dargelegt ist. Es ist die Ansicht und Auffassung der Autoren, wie sie es gesehen und erlebt haben. In den Augen des geschulten Kritikers oder Historikers ist es sicherlich nicht ein Buch ohne Makel. Wir hoffen immerhin, daß es unseren Lesern Freude bereitet und für die junge Generation der Varasd-Forscher als eine Grundlage dient für zukünftige Aufgaben.
Somit senden wir dieses Heimatbuch auf den Weg. Möge es auch in der donauschwäbischen Heimatliteratur seine Nische finden.
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M.Patton
Orlando, Florida 1995